VS Furtner Dürnbergermoor - StLVW

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Furtner Teich-Dürnbergermoor
Vogelschutzgebiet
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Schutzgüter
Vögel nach der VS-RL Anhang I
Code-Nr. Deutscher Name Wissenschaftlicher Name
A002 Prachttaucher Gavia arctica
A022 Zwergdommel Ixobrychus minutus
A072 Wespenbussard Pernis apivorus
A081 Rohrweihe Circus aeruginosus
A094 Fischadler Pandion haliaetus
A104 Haselhuhn Bonasa bonasia
A119 Tüpfelsumpfhuhn Porzana porzana
A236 Schwarzspecht Dryocopus martius
A338 Neuntöter Lanius collurio
A773 Silberreiher Ardea alba
Regelmäßig vorkommende Zugvögel
Code-Nr. Deutscher Name Wissenschaftlicher Name
A005 Haubentaucher Podiceps cristatus
A028 Graureiher Ardea cinerea
A118 Wasserralle Rallus aquaticus
A142 Kiebitz Vanellus vanellus
A153 Bekassine Gallinago gallinago
A168 Flussuferläufer Acitis hypoleucos
A179 Lachmöwe Larus ridibundus
A221 Waldohreule Asio otus
A247 Feldlerche Alauda arvensis
A249 Uferschwalbe Riparia riparia
A275 Braunkehlchen Saxicola rubetra
A292 Rohrschwirl Locustella luscinioides
A371 Karmingimpel Carpodacus erythrinus
A391 Kormoran Phalacrocorax carbo sinensis

Gebietsbeschreibung
Das Vogelschutzgebiet erstreckt sich im nordwestlichen Bereich der Neumarkter Passlandschaft über rund 1.072 ha vom Dürnberger Moor, über die Härterhöhe und den Furtner Teich nach Süden hin über Vockenberg, die Weiherhütter Höhe bis zu Teilen der Hochebene von Zeutschach und der Graggerschlucht.
Etwas weniger als die Hälfte des Schutzgebietes bilden durchwegs montane Nadelwälder. Zumindest 70 ha entfallen auf Moore, Stillgewässer, Röhricht, Seggenrieder oder Bruchwälder, wobei kleinflächige Ausbildungen hier nicht berücksichtigt sind.
Aus einer Nutzungsanalyse (Hochleitner 2020) geht hervor, dass im Vogelschutzgebiet auf 492 ha (46 % vm ESG) landwirtschaftlichen Nutzflächen, wie auch dem Großraum (Naturparkgemeinden) entsprechend, mit über 83 % eine grünlanddominierte Kulturlandschaft vorliegt. Auf Ackernutzung entfallen etwas weniger als 17 % der bewirtschafteten Flächen (Stand Agrarmarkt Austria 2021).

In den letzten Jahren ist weiterhin eine Intensivierung im Grünlandbereich zu verzeichnen, auch der Umbruch von Feuchtgrünland ist hier mit zu berücksichtigen. Wie bedeutend der Erhalt und die Entwicklung der noch verbliebenen hochwertigen Lebensräume sind, zeigt das weiterhin rückläufige Ausmaß etwa im Bereich der zweimähdigen Wiesen im Europaschutzgebiet, aber auch im Großraum der Passlandschaft.
Flächenmäßig ergibt sich bei Mähwiesen/Weiden mit zwei Nutzungen ein Rückgang von mehr als einem Drittel. Bei Mähwiesen/Weiden mit drei und mehr Nutzungen sowie Dauerweiden sind Zuwächse zu verzeichnen, während Hutweiden-Areale unverändert blieben. Der Zuwachs einmähdiger Wiesen von knapp 5 ha auf 7 ha ist vordergründig auf Naturschutzprojekte zurückzuführen. Darüber hinaus sind Mais, mit Schwankungen Wintergetreide und Kleegras in Zunahme begriffen, während Sommergetreide von 14 auf drei Hektar abgenommen hat.
Im nordöstlichen Teil überlappt das Vogelschutzgebiet mit dem zu den Vorranggebieten für den Zugvogelschutz nach der Bonner Konvention zählenden Gebiet Nr. 21 (BirdLife Österreich & BMLFUW 2005) Neumarkter Sattel und Furtner Teich (bedeutende Zugstraßen und Rastplätze für Wasservögel, wichtige Zugstraßen und Rastplätze für sonstige Arten, z. B. Greifvögel). Hier am Übergang zum Neumarkter Sattel befindet sich auch die bereits von Hanf bevorzugte, periodisch wasserführende Hungerlacke, die während der letzten Jahrzehnte jedoch einen anderen Charakter erlangt hat. Ehemals auch mit Schilf bewachsen, hatte diese früher auch eine größere Ausdehnung und Tiefe. Mitte der 1970er Jahre wurde nach Angaben des Eigentümers begonnen die Lacke zur Gänze zu mähen. Je nach Wasserführung ist das periodisch unter Wasser stehende Wirtschaftsgrünland auch heute noch ein wichtiger Rastplatz für Vögel, knapp außerhalb des Vogelschutzgebietes.
Im nordöstlichen Teil des Europaschutzgebietes, die eigentliche Hauptzugroute, mit den hochwertigsten Feuchtlebensräumen, ist aktuell die Grünlanddominanz noch gegeben, der Ackeranteil steigt hier jedoch auf über 35 %, während der Waldanteil auf unter 20 % sinkt. In weiten Teilen ist die Kulturlandschaft hier auch mit landschaftsgliedernden Gehölzstrukturen ausgestattet. Hier wurden während der letzten Jahre mit der Renaturierung von 5 ha Fichtenforsten auf Moorboden und der Anlage von mehr als 35 Gewässerstrukturen die meisten Akzente hinsichtlich Habitatausstattung gesetzt (z. B. Hochleitner 2008, 2010, 2015, 2019, Orda-Dejtzer & Hochleitner 2020).
Während der letzten Jahre wurden auch umfangreiche Evaluierungen der Gewässeranlagen quer über die Passlandschaft bis zum Hörfeld hinsichtlich der Wirksamkeit, in Bezug auf Amphibien und Libellen, durchgeführt (Orda-Dejtzer 2020). Insgesamt wurden über die Passlandschaft, insbesondere an für den Vogelzug bedeutenden Rastplätzen, 180 kleinere und mittlere Gewässerstrukturen angelegt oder periodisch überflutete Flächen geschaffen. Flächenmäßig wurden innerhalb und außerhalb von europaschutzgebieten über 30 ha langfristig gesichert, renaturiert oder revitalisiert.
Neben den FFH-Gebieten Furtner Teich und Dürnberger Moor ist das Gebiet durch zahlreiche Teiche und Moorreste geprägt. Vor allem an größeren Gewässern ist weiterhin eine intensive fischereiliche Nutzung und Freizeitnutzung gegeben. Aus älteren Kartierungen (Eggler 1961, Schlatti 2005) wird ersichtlich, dass im Bereich größerer Teiche während der letzten Jahrzehnte durch Intensivierung, aber auch durch natürliche Sukzession in Folge von Nutzungsaufgabe wesentliche Veränderungen zu verzeichnen sind. So sind Schwimmblatt- und Laichkrautbestände mancherorts stark zurückgegangen, am Furtner Teich beginnen sich diese gerade erst wieder zu erholen und auszudehnen. In ehemals offenen Verlandungsreihen an Gewässern oder im Bereich der zahlreichen Moore ist eine deutliche Tendenz zur Verbuschung und Verwaldung gegeben. Besonders gut ersichtlich im nördlichen Verlandungsbereich des Furtner Teiches, Großen Graslup-Teiches oder auch im Steirischen Hörfeldmoor, das in den 1950er Jahren noch weitgehend frei von Gehölzen war. Im letzteren Gebiet wurden bzw. werden weiterhin im Rahmen der Projekte VielfaltLeben IV bzw. V in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien und BirdLife Österreich flächige Entbuschungsmaßnahmen durchgeführt und Schilfbestnde wieder einer Mahd zugeführt.
Die Vielfalt der durchziehende Vogelarten insgesamt noch immer hoch.
Wärend der letzten 15 Jahre wurden zumindest 190 Arten verzeichnet. Davon werden 105 Arten zumindest in einer der in der Abbildung angeführten Listen oder im Anhang I angeführt.
Dadurch wird auch die Bedeutung der Passlandschaft für reglmäßig vorkommende Zugvögel unterstrichen, deren nördlicher Abschnitt hin zum Neumarkter Sattel zu den Vorranggebieten für den Zugvogelschutz nach der Bonner Konvention zählt.
Brutvorkommen des Kiebitz sind in der gesamten Region erloschen.



Quellen, weiterführende Literatur
Eggler J. (1961): Teichrandgesellschaften auf dem Neumarkter-Sattel in Obersteiermark. Mitt. naturwiss. Ver. Steiermark 91: 9-30.
Hochleitner, P. (2008): Revitalisierung nordöstliche Randbereich Furtner Teich. Unveröffentlicht. Bericht im Auftrag Abt. 13, Naturschutz, Steiermärkische Landesregierung.
Hochleitner, P. (2010): Hochmoorrenaturierung Europaschutzgebiet Dürnbergermoor. Im Auftrag des Dorfentwicklungs- und Kulturvereins Mariahof. ELER-Projekt mit Unterstützung von Bund, Land und Europäischer Union.
Hochleitner, P. (2015): Renaturierung Adendorfermoos. Projektbericht ELER-Projekt ARGE Natur & Land. Mit Unterstützung von Bund, Land Steiermark und Europäische Union.
Hochleitner, P. (2019): Anlage von Gewässerstrukturen Vockenberg, Revitalisierung Gölly Lacke. In: Flüchtlinge helfen Europas Biodiversität zu bewahren und zu entwickeln. Projektbericht ELER Projekt Markgemeinde Neumarkt in der Steiermark. Mit Unterstützung von Land Steiermark und Europäische Union.
Orda-Dejtzer, C. & P. Hochleitner (2020) Gewässeranlage Neumarkter Passlandschaft, Härther Höhe. ELER Projekt 2020-2021 (laufendes Projekt). Mit Unterstützung von Land Steiermark und Europäische Union.
Schlatti F. (2005): Biotopkartierung in der Gemeinde Zeutschach. Diplomarbeit, Institut für Pflanzenwissenschaften, Karl-Franzens-Universität, Graz.


Anschrift

Steirische Landesvogelschutzwarte
Stadlob 215 - 8820 Neumarkt in der Steiermark
0676 86641361   
peter.hochleitner@stmk.gv.at



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