Geschichte zur Steirischen Landesvogelschutzwarte - NATUR und LAND

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Geschichte zur Steirischen Landesvogelschutzwarte

Vogelschutzwarte

Pater Blasius Hanf (1808-1892) und die Fortführung seines Erbes
Hanfs Name als Wissenschaftler und Feldornithologe war bereits damals weithin bekannt. Der Zug der Vögel und die einfallenden Scharen am Furtner Teich erweckten seine Leidenschaft  und er beschäftigte sich fort an, als Pionier in der Steiermark, mit den Gewohnheiten dieser Jahr für Jahr wandernden Arten. Seine gesammelten Ergebnisse machten die Ornithologen europaweit auf die Forschungsmöglichkeiten an dem kleinen Gewässer in den östlichen Randalpen aufmerksam. Die beiden Gewässer „Furter Teich“ und „Hungerlache“ begünstigten Hanfs Studien im Gebiet von Mariahof. 
Neben Veröffentlichungen zu Zugdaten brachte der Autodidakt auch Berichte über den Federwechsel des Schnee-huhns sowie zur Brutbiologie des Fichtenkreuzschnabels und Kuckucks. Zu seinen großen Verdiensten zählt auch der Brutnachweis für den Mornellregenpfeifer  am Zirbitzkogel.
Auf Ansuchen des hohen Landesausschusses des Herzogtum Steiermark erstattete Hanf auch bereits Gutachten zur Abänderung des damaligen Vogelschutzgesetzes.
Seine meisterhaft präparierten Belege des Zugphänomens wurden 1873 auf der Wiener Weltausstellung ausgezeichnet.  Sie sind heute im Stift St. Lambrecht in einer Ausstellung zu bewundern.
Nach dem Ableben von Hanf 1892 wurden seine historischen Aufzeichnungen bis zum Jahr 1944 von seinem Biographen und Schüler P. Alexander Schaffer und weiteren Schülern, die Hanf in die Kunst des Präparierens einweihte, fortgeführt. 

Chronologie

  • 1948 Prof. Erich Hable nimmt senie Tätigkeit in der Region auf 

  • 1958 Land Steiermark (Abteilung für Natur- und Heimatschutz) erwirbt 3,3 ha Randbereiche am Furtner Teich

  • 1959 Beschluss zum Bau Forschungsstätte

  • 1963 Eröffnung Forschungsstätte, Leitung Prof. Erich Hable

  • 1968 Ilse Präsent als Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin

  • 1988 Ausbau Schauraum/Ausstellung

  • 1991 Wissenschaftliche Leitung Dr. Peter Sackl, Administration und Öffentlichkeitsarbeit durch Dir. Josef Gruber 

  • 1997 Feier 100 Jahre Denkmal P. Blasius Hanf

  • 2008 Betreuung durch Mag. Peter Hochleitner

  •  2013 50 Jahre Steirische Landesvoggelschutzwarte

  •  2013 Eröffnung NATURA 2000 Informationsbüro durch LR Dr. Gerhard Kurzmann
Die Steirische Landesvogelschutzwarte entsteht...

1958 erwirbt die Abteilung für Natur- und Heimatschutz der Steiermärkischen Landesregierung, unter Hofrat Dr. Curt Fossel, 3,3 ha im nordöstlichen Randbereich  des Furtner Teiches. 

1959 wurde anlässlich des Erzherzog Johann Jahres der Beschluss zum Bau einer Forschungsstätte gefasst. 
Auch dem Gründungsmitglied der Landesgruppe Steiermark des Österreichischen Naturschutzbundes, Kustos Prof. Dr. phil. Rudolf Amon (+ 15. Juli 1964), Leiter des Österr. Arbeitskreises für Wildtierforschung) verdankt die steirische Ornithologie die Anregung zum Bau der Forschungsstätte auf dem klassischen Platz der Vogelforschung am Furtner Teich. Er trieb die Verwirklichung an und konnte auch deren Vollendung noch erleben (ZOOBODAT).

Am 11. Juni 1963 wurde die Steirische Landesvogelschutzwarte – Forschungsstätte Pater Blasius Hanf vom damaligen Landesrat Univ.-Prof. Dr. Hannes Koren  ihrer Bestimmung übergeben und in einem feierlichen Akt eröffnet. 
Die wissenschaftliche Leitung wird an OSchR Dir. Erich Hable übertragen. Er übt diese Tätigkeit ehrenamtlich bis 1992 aus. Ab Ende der 1960er Jahre stand ihm Ilse Präsent  aus St. Lambrecht als wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin zur Seite. 
1991 übernimmt der Ornithologe Dr. Peter Sackl die wissenschaftliche Leitung der Forschungsstätte. Aufsicht und Pflegemaßnahmen rund um die Landesvogelschutzwarte werden von Dir. Josef Gruber bis 2007 durchgeführt.  

Seit 2008 obliegt die Betreuung der Steirischen Landesvogelschutzwarte dem Ökologen Mag. Peter Hochleitner. Seit 2013 fungiert die Steirische Landesvogelschutzwarte auch als Informationsbüro für NATURA 2000 Gebiete.
 
Schreiben von Ilse Präsent anlässlich der Feier "50 Jahre Steirische Landesvogelschutzwarte"
August 2013
Und so begann es…

Im Jahre 1832 wurde Pater Blasius Hanf des Benediktinerstiftes St. Lambrecht Pfarrer in Mariahof. Schon als Student beschäftigte er sich mit dem Präparieren von Tieren. 1833 weckte ein erlegter Kranich das Interesse für die Vogelwelt der Umgebung. Hanf beschaffte sich den 12-bändigen „Naumann“, damals das erste ornithologische Werk. Der Benediktinerorden war immer bestrebt, die wissenschaftlichen Fähigkeiten seiner Angehörigen zu unterstützen. So auch bei Pater Blasius Hanf, dem er zeitliche Freiräume zur Vogelbeobachtung und –forschung gestattete. Hanf erkannte die begünstigte Lage des Neumarkter Sattels für den Vogelzug im Frühling und Herbst. Gründe dafür sind vor allem die wenig verbaute Passlage von Mariahof mit Wiesen und Feldern sowie Teiche, von denen der größte, der Furtnerteich, an der Wasserscheide von Mur und Drau liegt. Seine Ufer sind zum Teil verschilft und nicht mit Bäumen bewachsen, was ziehenden Wasservögeln leichteren Start ermöglicht. Hanf widmete sein ganzes Leben der Erforschung und Dokumentation der Vogelwelt dieses Gebietes, gelangte zu internationaler Anerkennung und Ehren und schuf das einmalige Vogelmuseum im Stift St. Lambrecht. Dem Vorwurf, dass er so viele Vögle erlegte, muss man entgegenhalten, dass im 19. Jahrhundert an Ermangelung guter Ferngläser und anderer optischer Behelfe eine Vogelart erst genau bestimmt werden konnte, wenn man sie in der Hand hatte. Mit der heutigen Fototechnik hat man wesentlich effizientere Methoden der exakten Vogelbeobachtung und zugleich Dokumentation.
 
Nach Hanfs Tod im Jahre 1897 wurde die Vogelbeobachtung in Mariahof-Furtnerteich von Pater Alexander Schaffer und später Lehrer Noggler weitergeführt. In den Kriegsjahren 1944 bis 1947 entstand darin eine Lücke, erst 1948 übernahm Volksschuldirektor Erich Hable diese Aufgabe. Als 1963 die neu erbaute Forschungsstätte „Pater Blasius Hanf“ eröffnet wurde, war Professor Erich Hable offizieller Leiter. Aus dem kleinen Beobachtungsunterstand von Pater Blasius Hanf im Schilf war ein Haus für Forschung und Öffentlichkeitsarbeit geworden.
 
Seit 1991 leitet Dr. Peter Sackl, Zoologe am Landesmuseum Joanneum in Graz, die wissenschaftliche Arbeit an der Forschungsstätte. Er wurde 1991 bis 2008 unterstützt in Administration und Öffentlichkeitsarbeit von Direktor Josef Gruber aus Neumarkt. Nach dessen Tod übernahm Mag. Peter Hochleitner die Betreuung der Forschungsstätte. Sein Wissen (auch als Botaniker) und seine unermüdliche Tatkraft sind besonders zur 50-Jahrfeier der Forschungsstätte offensichtlich.
 
Der Name des Hauses ist Anerkennung für die Leistungen von Hanf, aber auch Auftrag für die zukünftige Tätigkeit. Dies sind nicht nur Forschung und Wissenschaft, sondern auch Vermittlung von Verständnis und Weckung von Interesse in der Bevölkerung. In diesem Sinne arbeiteten Erich Hable und seit 1968 Ilse Präsent (als Mitarbeiterin und Stellvertreterin). Unzählige Führungen wurden alljährlich durchgeführt, vor allem für Schulen, denn Kinder sind die besten Multiplikatoren für Familien und für die Zukunft. Wörtlich „auf den Spuren von Hanf“ sind Erich Hable und Ilse Präsent gewandelt, denn sie sind auf den noch von Hanf verlegten Lärchenstämmen durch Schilf und Moor gewatet, um Vögel zu beobachten. Die Ergebnisse wurden in zahlreichen Veröffentlichungen und ornithologischen Karteien dokumentiert, Artenschutzprogramme durchgeführt und Daten für einen Brutvogelatlas geliefert. Vor allem die Erforschung des Mornellregenpfeifers (Eudromias morinellus) auf dem Zirbitzkogel, in den Niederen Tauern und in den Nockbergen, dem Rotsternigen Blaukehlchen (Cyanosylvia svecica) und der Birkenmaus (Sicista betulina) in den Niederen Tauern erforderte viel Zeit und weite Fußmärsche, oft bei schlechtem Wetter. Artenschutzprogramme für gefährdete Vogelarten wie den Steinadler (Aquila chrysaetos), den Uhu (Bubo bubo), den Wanderfalken (Falco peregrinus), den Wachtelkönig (Crex crex) und die Felsenschwalbe (Ptyonoprogne rupestris) waren Standardaufgaben über viele Jahre hinweg. Und immer war es das Bestreben, in Publikationen, Vorträgen und Führungen die Zusammenhänge in der Natur von Fauna, Flora und Klima zu erklären, denn keines kann für sich allein bestehen. Natur ist eine Einheit, für die man das Verständnis in der Bevölkerung wecken muss. Über allem steht das Bestreben, die Natur zu erhalten und das liegt an uns – an jedem Einzelnen von uns! Dafür setzt sich auch die Forschungsstätte „Pater Blasius Hanf“ ein, denn: „Nur was ich kenne, schütze ich!“
 
Ein Dank gebührt allen Mitarbeitern im und außerhalb des Hauses. Durch ein gutes, engagiertes Team strahlt die Tätigkeit im ganzen Bezirk Murau aus. Ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die aus Interesse tätig sind, wäre wissenschaftliche Grundlagen- und Feldforschung nicht möglich. Darum  allen an dieser Stelle ein „Danke“ und Erfolge für die zukünftigen Tätigkeiten!
 
 
Ilse Präsent
Weißenbach 6
8813 St. Lambrecht
 
 
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